Der Tod des Expertenwissens

Tom Nichols schrieb letzten Monat einen interessanten Beitrag auf der englischen Website The Federalist, die sich in erster Linie mit soziokulturellen Themen beschäftigt.

In seinem Artikel moniert er den Tod des Expertenwissens, bzw. den Tod der Anerkennung von Expertenwissen, der in Zeiten von Wikipedia und Google für viele Menschen einen immer niedrigeren Stellenwert einzunehmen scheint. Der Laie, so Nichols, verlange immer häufiger noch einen weiteren Beweis oder Beleg für das Gesagte, obwohl der Einzelne nicht grundsätzlich das Rüstzeug mitbringe, valide Beweise oder Belege überhaupt erkennen- oder von falschen Äußerungen unterscheiden zu können.
Die Nutzung von Belegen sei eine spezielle Form von Wissen, die zuerst erlernt werden muss. Daher werden Paper auch einem »Peer-Review« und nicht einem »Jedermann-Review« unterzogen.

I fear we are witnessing the “death of expertise”: a Google-fueled, Wikipedia-based, blog-sodden collapse of any division between professionals and laymen, students and teachers, knowers and wonderers – in other words, between those of any achievement in an area and those with none at all. By this, I do not mean the death of actual expertise, the knowledge of specific things that sets some people apart from others in various areas. There will always be doctors, lawyers, engineers, and other specialists in various fields. Rather, what I fear has died is any acknowledgement of expertise as anything that should alter our thoughts or change the way we live.

Nichols begrüßt die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts, die eine »Demokratisierung« von Wissen und die unkompliziertere und größere Teilhabe der breiten Masse daran mit sich bringen. Allerdings leide diese Teilhabe an dem vollkommen unlogischen Beharren darauf, dass jeder Meinung das gleiche Gewicht zuteilwerden müsse. Es bestehe die Gefahr, dass Experten irgendwann wieder nur miteinander redeten, wenn sie immer häufiger die Leute ausblenden müssen, die darauf beharren, dass Diskussionen von einem »intellektuellen Nullpunkt« her aufgebaut werden. Und dieses Ausblenden, bzw. die Diskussion von Experten nur untereinander, sei schlecht für die Demokratie als solche. Wenn diese Ablehnung von Expertenwissen dann noch andere Bereiche als die Politik betreffe, könne es auch leicht wirklich gefährlich werden. Beispielsweise wenn Menschen, die Expertenwissen nicht von Blödsinn unterscheiden können, medizinische Entscheidungen treffen und möglicherweise wichtige Impfungen ablehnen.

This isn’t just about politics, which would be bad enough. No, it’s worse than that: the perverse effect of the death of expertise is that without real experts, everyone is an expert on everything. To take but one horrifying example, we live today in an advanced post-industrial country that is now fighting a resurgence of whooping cough — a scourge nearly eliminated a century ago — merely because otherwise intelligent people have been second-guessing their doctors and refusing to vaccinate their kids after reading stuff written by people who know exactly zip about medicine. (Yes, I mean people like Jenny McCarthy).

Nichols möchte aber nicht, dass die Welt nur von Technokraten und Intellektuellen regiert wird, sondern dass der Einzelne genug lernt um Mitreden zu können, anstatt Gefangene des eigenen, zerbrechlichen Egos zu sein.

Personally, I don’t think technocrats and intellectuals should rule the world: we had quite enough of that in the late 20th century, thank you, and it should be clear now that intellectualism makes for lousy policy without some sort of political common sense. Indeed, in an ideal world, experts are the servants, not the masters, of a democracy.

But when citizens forgo their basic obligation to learn enough to actually govern themselves, and instead remain stubbornly imprisoned by their fragile egos and caged by their own sense of entitlement, experts will end up running things by default. That’s a terrible outcome for everyone.

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