Wie werde ich Hellseher?

Oder wie werde ich Medium, Wahrsager, etc.

In einfachen Schritten und mit wenig Aufwand zum Wahrsager, Hellseher, Medium etc. werden? Geht so was überhaupt? Kann man die angeblichen Fähigkeiten von Leuten, die in die Zukunft schauen oder mit Toten sprechen können, erlernen?

Für alle interessierten gibt es gute Nachrichten. Ja! Man kann diese Fähigkeiten erlernen. Was man selbst mitbringen muss, ist ein wenig Lernwillen, einen offenen Geist und ein wenig Gespür für Menschen.

Ohne weiteres Trara steigen wir nun auch direkt in die Materie ein.

1. Körpersprache
Sprechen Sie mit sanfter Stimme. Ihre Bewegungen sollten ruhig und bedacht sein, Ihre Körpersprache offen. Also bitte keine verschränkten Arme oder übergeschlagene Beine. Wenn Sie zuhören, legen Sie den Kopf ein klein wenig zur Seite. Das signalisiert Interesse und Anteilnahme.
Behalten Sie Augenkontakt, aber stellen Sie sicher, Ihrem Gegenüber nicht in die Augen zu starren. Ruhig, freundlich, interessiert, offen. Das ist, was wir signalisieren möchten.
Üben Sie vor dem Spiegel oder nehmen Sie sich mit einer Kamera auf.

2. Was wir sagen und fragen
Als Wahrsager, Hellseher, Medium etc. arbeiten wir vorzugsweise mit einer Technik, die sich »Cold Reading« oder auf deutsch »kaltes Lesen« oder »kalte Deutung« nennt.
Das zu lernen dauert ein wenig und erfordert den oben genannten Lernwillen und das Gespür für Menschen, aber es lohnt sich. Gute Wahrsager, Medien, etc. sollten das Cold Reading beherrschen, denn das ist die Technik, die andere Glauben läßt, Sie könnten wirklich in die Zukunft sehen oder persönliche Dinge über ihr Gegenüber einfach »erspüren« (oder als Angaben aus dem Totenreich erhalten, oder was auch immer Sie ihrem Gegenüber verkaufen wollen).
Die besseren Bücher über Mentalmagie erklären die Technik mit Übungen und liefern Ihnen fertige Routinen, die sich ihren Kunden dann vorführen können.
Im Buch »Dark Dreams« von Vincent van Dark sind beispielsweise Techniken und Routinen für Mentalmagier vorgestellt, die Sie in den Augen uneingeweihter zum echten Gedankenleser machen. Und obendrein spenden Sie mit dem Kauf des Buches noch automatisch 5,- Euro an die Deutsche Krebshilfe.

Als Quelle für Zauberartikel und Zauberbücher möchte ich Ihnen den Jedinat-Zaubershop ans Herz legen. Herr Jedinat ist ein sympathischer Zauberkünstler, der die Kunst in Ehren hält und nicht damit beschmutzt, sie als übernatürliche Fähigkeiten zu verkaufen.

Damit aber nun genug der Werbung. Schließlich erhalte ich für Klicks auf Herrn Jedinat‘s Seite keine Belohnung. 🙂
Also weiter im Text!

Auch ohne sofortiges Durcharbeiten eines Mentalistenhandbuchs, können Sie schon jetzt die wichtigste Komponente des Cold Reading lernen: die sogenannten Barnum-Aussagen.

Der Begriff geht zurück auf den Zirkusgründer P.T. Barnum, der unter anderem ein großes Kuriositätenkabinett unterhielt, das nach seinen Aussagen »jedem Geschmack etwas bieten konnte«.
Der eigentliche Effekt, den wir damit erzielen wollen, wird in der Psychologie als »Forer-Effekt« (nach Bertram Forer) bezeichnet und beschreibt die »Täuschung durch persönliche Validierung«.

Was heißt das nun?
Forer wies in seinem Experiment von 1948 nach, dass Menschen dazu neigen, vage und allgemeingültig gehaltene Aussagen über die eigene Person als wahr und zutreffend zu akzeptieren. Als Beispiel nahm er sich die Aussagen von Zeitungshoroskopen und erarbeitete einen Text, den er als Persönlichkeitstest seinen Studenten vorlegte.
Die Studenten sollten den Text, der ihnen als persönliche Beurteilung ihrer Person vorgelegt wurde, mit Werten zwischen 0 (trifft gar nicht zu) bis 5 (trifft sehr gut zu) bewerten.
Also je wahrheitsgemäßer der Text vom Leser empfunden wird, desto höher die Punktzahl.

Forers Experiment wurde von ihm einige Male mit verschiedenen Probanden wiederholt. Und auch nach Forer wurde das gleiche Experiment unzählige Male durchgeführt. Das Ergebnis pendelt dabei immer um den den Wert 4. Das bedeutet, der durchschnittliche Teilnehmer hält die Aussagen über sich für ziemlich nah an der Wahrheit.

Der Knackpunkt dabei – und Sie sind sicherlich schon von selbst darauf gekommen: der Text ist für jeden Teilnehmer identisch. Alle Teilnehmer erhalten immer den gleichen Text, und immer schätzen sie ihn als ziemlich zutreffend auf die eigene Persönlichkeit ein.

Der Text, in der deutschen Übersetzung, lautet wie folgt:

»Sie brauchen die Zuneigung und Bewunderung anderer, dabei neigen Sie zu Selbstkritik. Zwar hat Ihre Persönlichkeit einige Schwächen, doch können Sie diese im allgemeinen ausgleichen. Sie haben beträchtliche Fähigkeiten, die brachliegen, statt dass Sie sie zu Ihrem Vorteil nutzen. Äußerlich diszipliniert und kontrolliert, fühlen Sie sich innerlich ängstlich und unsicher. Mitunter zweifeln Sie ernstlich an der Richtigkeit Ihres Tuns und Ihrer Entscheidungen. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung, und Sie sind unzufrieden, wenn Sie von Verboten und Beschränkungen eingeengt werden. Sie sind stolz auf Ihr unabhängiges Denken und nehmen anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Doch erachten Sie es als unklug, sich anderen zu freimütig zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und aufgeschlossen, manchmal auch introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Ihre Wünsche scheinen mitunter eher unrealistisch.«

Na? Wie viel davon würden Sie auf sich zutreffend finden?

Wie hilft uns das nun, ein Wahrsager, Hellseher oder Medium zu werden?
Ganz einfach. Denn zum Barnum-Effekt gibt es auch die Barnum-Aussagen:

• Jeder Mensch sehnt sich nach einer sicheren Umwelt. Deshalb darf die Erwähnung von Ängsten nicht fehlen.
• Auch Wünsche wie eine sichere Arbeitsstelle oder ein gutes Beziehungsleben werden oft gut aufgenommen.
• Sowohl-als-auch-Aussagen wie etwa »Sie sind meistens entschlossen, doch Sie ringen immer wieder um angepasstes Verhalten«.
• Unklare Formulierungen, wie »Sie neigen zur Faulheit« (anstelle »Sie sind heute faul«, was entweder stimmt oder nicht stimmt).
• Suggerierte Dinge: »Heute könnten Sie jemanden verletzen«, was eine Verletzung suggeriert; der Kunde sucht – und findet manchmal – eine entsprechende Handlung. Das kann eine emotionale „Verletzung“ wie ein Schimpfwort oder ein böser Gedanke sein, aber auch das versehentliche Anrempeln eines Arbeitskollegen. Dem Kunden wird aber nicht gesagt, er solle nach Hinweisen suchen, die das Gegenteil demonstrieren würden.
Aus der Traumdeutung könnne wir auch schöpfen:
Ein (Traum von einem) Wald voller weißer Bäume kann den Wunsch andeuten, eine neue, positive Lebensphase zu beginnen. Jeder Mensch ist mehr oder weniger bestrebt, seine Lebenssituation zu verbessern. Da nicht gesagt wird, ob es sich um eher kleinere Veränderungen handelt oder um sehr bedeutsame, trifft diese Aussage auf fast jeden zu.

Beispiele:
»Sie sind ein bodenständiger Mensch.«
»Mit Leidenschaft, Zähigkeit und Ehrgeiz nehmen Sie jeden Kampf auf.«
»Oft sind Sie gut gelaunt und fröhlich, manchmal aber auch geladen und zornig.«
»Sie sind grundsätzlich hilfsbereit, sollten aber aufpassen, nicht ausgenutzt zu werden.«

Auch hier wieder ganz wichtig: Den Aussagen mangelt es immer an Objektivität und an Falsifizierbarkeit. Bleiben Sie vage. Denn je unbestimmter Sie in der Befragung und in Ihren Äußerungen bleiben, desto größer die Chance, vom Gegenüber als zutreffend empfunden zu werden.

3. Worüber wir sprechen
Es gibt sieben Themen, worüber Menschen am meisten sprechen, bzw. am meisten wissen möchten:

• Liebe
• Gesundheit
• Geld
• Karriere
• Reisen
• Bildung
• Ambitionen

Bleiben Sie bei diesen Themen und halten Sie an der Barnum-Technik fest. Formulieren Sie keine direkten Fragen sondern kleiden ihre Fragen in Aussagen.
Fragen Sie nicht »Sind sie ein vertrauenswürdiger Mensch?«
Sondern geben Sie ein Barnum-Statement ab:
»Was ich hier erhalte ist, dass sie jemand sind, dem generell vertraut werden kann. Kein Heiliger und auch nicht Perfekt, aber ich bekomme die Schwingungen von jemandem, der, wenn es wirklich darauf ankommt, sehr genau versteht, wie wichtig es ist, vertrauenswürdig und ein guter Freund zu sein.«

Benutzen Sie Formulierungen wie:
»Klingt das für sie richtig?«
»Auf wen mag das zutreffen?«
»Ergibt das einen Sinn für sie?«
»Was verbindet das für sie mit ihrem Leben?«
»Schafft das für sie eine Verbindung mit etwas?«

Um den Effekt zu verstärken, benutzen Sie spezifischere Aussagen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit aufweisen, auf viele Menschen zuzutreffen.

»Sie interessierten sich mal für ein Hobby, üben es aber nicht mehr aus.«
»Sie besitzen noch immer einen Schlüssel, von dem sie aber nicht mehr wissen, zu welchem Schloss er gehört.«
»Sie bewahren Kindheitserinnerungen in einer Schachtel auf.«
»In ihrem Medizinschrank stehen abgelaufene Medikamente.«
»Sie besitzen eine kaputte Uhr, die noch nicht haben reparieren lassen, die sie aber auch nicht wegwerfen wollen.«

Auch Aussagen über die Person selbst können Sie mit einflechten:

»Sie hatten als Kind mal einen Unfall, bei dem Wasser (Feuer, ein Baum, Auto, etc.) eine Rolle spielte.«
»Eine ihrer Wohnadressen enthielt die Nummer 2.«
»Als Kind trugen sie ihre Haare mal lang, später aber kurz.«
»Sie tragen ein Foto in ihrer Geldbörse (Handtasche).«
»Sie vermissen einen Ohrring (Manschettenknopf).«
»Sie besitzen Kleidung, die sie noch nie getragen haben.«

Und zuletzt sollten Sie ihrem Gegenüber immer sagen, was gehört werden will.
»Sie werden die Liebe finden«, »Sie arbeiten hart und ehrlich. Bleiben sie so, und sie werden bald erfolg haben.« Und so weiter. Weben Sie diese Aussagen in Ihre generellen Aussagen mit ein.

4. Wir halten Entschuldigungen bereit
Für den Fall, dass Sie mal daneben liegen (Reaktion des Gegenübers genau beachten), stellen Sie sich eine Reihe von Entschuldigungen bereit.

Zuerst einmal stellen Sie fest, dass niemals 100% richtig liegen können.
Das macht so ziemlich jeder Wahrsager und jedes Medium so.
Macht Ihr Gegenüber Sie auf Fehler aufmerksam, schieben Sie es auf die Aussagen der Geisterwelt (oder mit welcher Welt auch immer Sie vorgeben, in Kontakt zu sein). Der Geist hat seine Meinung geändert oder die Verbindung ist durch was auch immer getrübt. Werden Sie kreativ aber bleiben Sie in der Rolle.
Die Königsdisziplin der Entschuldigung: Machen Sie ihr Gegenüber für den angeblichen Fehler verantwortlich. Die Konzentration war nicht stark genug, die Verbindung wird nicht ernst genug genommen etc.

Was wir uns am Schluss zunutze machen, ist der psychologische Effekt, dass Menschen, die anscheinenden Treffer im Gedächtnis behalten und die Fehlschüsse vergessen.
So haben Menschen, die nach einer Sitzung gefragt wurden, angegeben, das Medium hätte ihnen nur einen oder zwei Namen genannt, von denen dann auch einer zutraf.
Tonaufnahmen der Sitzung ergaben aber, dass das vermeintliche Medium mehrere Dutzend Namen vorgeschlagen hat. Der Proband hat die Treffer im Gedächtnis behalten und die Fehler vergessen.

Mit den obigen Tipps – und dem einen oder anderen Buch für Zauberkünstler – werden Sie schnell zu einem ernstzunehmenden Hellseher, Medium, Wahrsager, und können ihren sich oft in verletzlichen oder sonst wie schwierigen Situationen befindlichen Kunden auch noch das Letzte das Geld genüsslich aus der Tasche ziehen.
Die meisten, die diesen »Beruf« ausüben, wissen sehr genau, dass sie keine besonderen Fähigkeiten haben, sondern sich Zaubertricks bedienen, die seit vielen Jahrzehnten (oder auch Jahrhunderten) bekannt sind.
Die eine Hälfte ist ein Fall für den Psychiater, die andere Hälfte ein Fall für den Staatsanwalt.

Oder Sie machen es wie die aufrechten Menschen der Zunft, die diese Tricks beherrschen. Sie nehmen Eintritt für die Show, verzaubern ihr Publikum und sind offen darüber, dass alles nur Tricks und Kniffe sind. Wer in eine Zauber- oder Mentalistenshow geht, der weiß, dass alles nur gut gemachte Tricks sind. Aber genau darum geht es ja zum Teil: Das Wissen, das alles getrickst ist, aber man zum Teufel nicht dahinter kommt, wie es denn nun gemacht wurde.

Werden Sie bitte nicht zum Betrüger, der Menschen den Kontakt zu ihren Verstorbenen verspricht. Davon gibt es bereits genug.

Quellen:
http://psiram.com/ge/index.php/Cold_Reading
http://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt

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