Katholische Kirche verweigert Hilfe für Vergewaltigungsopfer

Man ist von der katholischen Kirche ja so einiges gewohnt. Den größten Teil der sozialen- und der Gesundheitsarbeit vom Staat bezahlen lassen, aber Mitarbeiter ausbeuten und sich vom allgemeinen Arbeitsrecht zu distanzieren, kleine Kinder zu missbrauchen und die Täter zu versetzen, anstatt anzuzeigen und überhaupt eine Institution zu sein, deren Moral mies bis dreckig daherkommt. Da wundert es einen doch wirklich nicht, dass man nun auch noch »unterlassene Hilfeleistung« mit auf die Liste setzen kann.

Was ist passiert?
Eine 25-jährige Kölnerin wurde augenscheinlich auf einer Party betäubt und wachte auf einer Parkbank wieder auf. Eine Notärztin konnte nicht ausschließen, dass die junge Frau Opfer einer Vergewaltigung wurde, und bat die Klinik in katholischer Trägerschaft um Beweissicherung.
Nun beinhaltet die Beweissicherung nach einer Vergewaltigung möglicherweise auch die Notfallkontrazeption (die »Pille danach«).
Denn – ich lehne mich mal aus dem Fenster – die meisten Frauen möchten von ihrem Vergewaltiger kein Kind bekommen, was ich sehr verständlich finde.

Wie reagierte nun nicht nur eine, sondern gleich zwei Kliniken in Trägerschaft des Erzbistums Köln? Natürlich mit größtmöglicher Nächstenliebe – Sie verweigerten die Behandlung der jungen Frau gleich komplett. Denn laut Sprecher des Erzbistums Köln ist eine Notfallkontrazeption aus ethischen und moraltheologischen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen.
Warum man aber die Behandlung gleich komplett verweigert hat, konnte er auch nicht sagen. Die Beweise hätte man ja sichern können. Es muss sich wohl um einen Fehler der beiden Krankenhäuser gehandelt haben.

Noch mal ganz langsam:
In Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft könnten Vergewaltigungsopfer zwar theoretisch zur Spurensicherung behandelt werden, eine Schwangerschaft, die der Frau durch Gewalt aufgezwungen wurde, ist und bleibt aber ihr Problem. Denn Hilfe zum Abbruch der aufgezwungenen Schwangerschaft wird es in diesem Fall von dieser Klinik nicht geben.Auch dann nicht, wenn wie im Fall der katholischen Kirche, der Staat den Betrieb der Krankenhäuser zu knapp 90% bezahlt.

Kurz: Schwangere Frauen verlieren in den Augen der katholischen Kirche ihr reproduktives Selbstbestimmungsrecht. Im Moment der Schwangerschaft ist die Frau nur noch Gefäß für den Embryo. Recht am eigenen Körper? Recht auf reproduktive Selbstbestimmung? Fehlanzeige.

Jetzt kann man vielleicht allerlei ethische und moralische Bedenken in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche anmelden, vielleicht sogar welche, die gültig wären. Aber ich habe nur äußerst selten gehört dass Frauen, welche Opfer sexueller Gewalt wurden, dazu gezwungen sein sollen, obendrein das Kind auszutragen. So etwas wird meiner Meinung nach nur von komplett verkommenen Individuen gefordert. Oder von der katholischen Kirche.

Es ist Zeit, die Sonderrechte der Kirche abzuschaffen. Wer in Deutschland ein Krankenhaus betreibt, sollte sich nicht nur an das allgemeine Arbeitsrecht halten müssen, sondern auch Hilfe in vollem Umfang leisten, wie die anderen Krankenhäuser auch.
Zuletzt haben wir in Irland gesehen, wo man eine Schwangere Frau hat sterben lassen, weil man die Schwangerschaft hätte beenden müssen um ihr zu helfen, wohin es führt, wenn ewig gestrige, die ihre ethischen und moralischen Vorstellungen aus einem 2000 Jahre alten Buch beziehen, das Sagen haben.

Wer Mitglied in der katholischen Kirche ist, trotz Missbrauchskandal und diversen anderen Verfehlungen, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass er mit dem Bezahlen seiner Kirchensteuer sagt: »Sexueller Missbrauch und die Vertuschungsversuche sowie die Degradierung schwangerer Frauen zum Nährgefäß, ohne eigene Rechte, finde ich im Falle der katholischen Kirche in Ordnung.«

Wobei die christliche Moral an sich schon fragwürdig ist:

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Ein Gedanke zu “Katholische Kirche verweigert Hilfe für Vergewaltigungsopfer

  1. Zumal die »Pille danach« kein Schwangerschaftsabbruch ist, sondern eine Schwangerschaft im Vorfeld verhindert. Aber das ist den Scheinheiligen eh wurscht.

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