Kolloidales Silber – Oder: Ich mache mich zum Schlumpf

Und wieder hörte ich, diesmal mit Hinweis auf den Kopp-Verlag (der dafür bekannt ist mit wissenschaftlichen – und anderen – Erkenntnissen recht, sagen wir mal »kreativ«, umzugehen), dass nun bewiesen sei, dass ein bestimmtes Produkt der Alternativ«medizin«-Szene wirksam ist.
Dieses Mal dreht es sich um das sogenannte »Kolloidale Silber«.

Was ist kolloidales Silber?
Wikipedia:

Bei kolloidalem Silber handelt es sich um ultrafeine Partikel von elementarem Silber (Nanosilber) oder auch von schwerlöslichen Silberverbindungen bzw. deren flüssige Dispersionen.

Psiram/Esowatch:

Kolloidales Silber (KS, englisch colloidal silver) ist die flüssige Dispersion elementaren Silbers oder schwer löslicher Silberverbindungen aller Art. Kolloidales Silber wird in der Medizin äußerlich zusammen mit Antibiotika zur Vorbeugung von Hautinfektionen bei Brandwunden eingesetzt.

Nun lesen wir bei den Verkäufern oder den Lobbyisten Dinge wie:

Wissenschaftler: Kolloidales Silber ist besser als Antibiotikum

Endlich geben Wissenschaftler und medizinische Fachleute zu, dass es über kräftigere heilende Eigenschaften als Antibiotika und andere Medikamente verfügt. Zudem belegt eine neue Studie, deren Ergebnisse in Letters in Applied Microbiology, der Zeitschrift der britischen Gesellschaft für Angewandte Mikrobiologie, veröffentlicht wurden, dass Silber auch Pilzinfektionen durch Candida albicans und Candida glabrata im Mund wirksam bekämpfen kann.

Und wieder benutzt die Abzockmafia der Alternativ«medizin«-Szene eine bisher unbewiesene Testreihe dazu, ihr Schlangenöl unter die Leute zu bringen.

Es wurde in den Labortests nicht bewiesen, dass kolloidales Silber gegen auch nur irgendetwas wirkt, sondern die Auswirkung von verschieden großen Silber-Nanopartikeln auf Hefepilze getestet.

Dazu wurde auf einem sog. künstlichen »Biofilm« die Bedingungen einer befallenen Mundschleimhaut nachgebildet und die Auswirkung der Silber-Nanopartikel auf die Hefepilze untersucht.
Die Wissenschaftler haben mehrfach bekräftigt, dass es sich um reine, frühe Labortests handelt, nicht um einen schlüssigen Wirksamkeitsnachweis.
Die Idee dahinter begründet Dr. Henriques damit, dass immer mehr Hefepilze auftauchen, die gegen Antimykotika resistent sind und daher neue Wege erforscht werden müssen, diese zu bekämpfen.

Von kolloidalem Silber im Sinne der Alternativ“medizin“  ist nirgendwo die Rede und obendrein wird auch auf die Gefahren von Silber-Nanopartikeln eingegangen, die im menschlichen Organismus bei längerer Anwendung zu teilweise bösen Nebenwirkungen führen können.

Some researchers have expressed concerns around the safety of nanoparticle use but the authors stress this research is at an early stage and extensive safety trials will be carried out before any product reaches the market.

Übersetzung:
„Einige Forscher haben ihre Bedenken bezüglich der Sicherheit von Silber-Nanopartikeln ausgedrückt, aber die Autoren der Studie betonen, dass diese Forschung sich in einer frühen Phase befindet und umfangreiche Sicherheitstests durchgeführt werden, bevor irgendein Produkt auf den Markt kommt.“

Das in der Medizin benutzte, kolloidale Silber, wird immer zusammen mit Antibiotika eingesetzt. Und da auch praktisch nur in der Vorbeugung von Hautinfektionen, nicht in deren Behandlung. Und auch nur Äußerlich. Es unterscheidet sich auch in der Herstellung vom alternativ«medizinischen«, kolloidalen Silber.

Es gibt keine medizinische Indikation zur Einnahme von kolloidalem Silber. Obendrein können silberempfindliche Keime durch Kontakt mit Silber resistent werden. Etwas, das schon öfter nachgewiesen werden konnte. Das große Problem: Über Silberresistenzen können Bakterien mittels Plasmidaustausch auch Antibiotikaresistenzen bilden.

Paul Karason, USA, entwickelte eine Argyrie nach Einnahme kolloidalen Silbers
Quelle: Psiram/Esowatch

Wer sich also selbst mit kolloidalem Silber behandelt und das Zeug einnimmt, der riskiert nicht nur Argyrie (eine bisher irreversible Blauverfärbung der Haut, unter der z.B. viele Arbeiter in Silberbergwerken litten bzw. leiden) sondern auch, durch Silbereinlagerungen in Leber, Nieren und Zentralnervensystem, chronische Bauchschmerzen, Schwindel- und Krampfanfälle oder Gang- und Geschmacksstörungen.

Ja: Silber ist bis zu einem gewissen Grad keimtötend und wurde bis zur Entdeckung der modernen Antibiotika dafür eingesetzt. Heute nur noch unterstützend, zusammen mit Antibiotika oder in Kosmetikprodukten zur Keimzahlverminderung.

Nein: Silber, insbesondere Silber-Nanopartikel, sind nicht ungefährlich für den Organismus und können eine Vielzahl von Problemen, bis hin zu schweren gesundheitlichen Störungen, hervorrufen.
Silberpartikel, ob kolloidal oder nicht, sollten NIEMALS ohne ärztliche Kontrolle angewendet werden.

Schon gar nicht EINGENOMMEN.


Quellen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21756192

http://www.sciencedaily.com/releases/2012/03/120308062553.htm

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