Die Kirche ist so voller Nächstenliebe und Verständnis…

…dass es einem fast die Tränen in die Augen treibt.

Immer steht der Mensch im Fokus der (organisierten) Religionen und wird mit seinen Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen und respektiert.

Vor allem als Arbeitgeber ist die Kirche ein leuchtendes Beispiel. Löhne, die so niedrig sind, dass man wirklich noch mit Fug und Recht sagen kann, man arbeitet aus purer Nächstenliebe. Was den Mitarbeitern von Caritas und Co. an monetärer Entlohnung fehlt, erhalten sie in Form von »Gotteslohn«, was immerhin den Einzug in das christliche Himmelreich bedeutet, der für so manchen Ungläubigen mehr mit einem spirituellen Nordkorea zu vergleichen ist, als mit einem Paradies.

Aber geschriebene Ironie wird nur schlecht verstanden, also werde ich mich ein wenig zusammenreißen.

Obwohl die Kirche nur einen Bruchteil der Kosten für ihre »guten Werke« selbst trägt – die Mehrheit trägt der Steuerzahler neben der Kirchensteuer – darf sie doch die Regeln machen. Das ist ungefähr so, als ob ich dem Gastgeber einer Party drei Euro in die Hand drücke und dann bestimme, wer rausgeschmissen- und welche Musik gespielt werden soll.

Jetzt wird eine der Regeln der katholischen Kirche vor Gericht verhandelt.

Die Frage ist: Darf eine Erzieherin, die zwölf Jahre lang ihre Arbeit ohne Beanstandungen gemacht hat, in der Elternzeit gekündigt werden, weil sie sich als lesbisch outete?

Der normale Menschenverstand sagt: »Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung diskriminiert werden«.

Aber da insbesondere die katholische Kirche sich herausnimmt, Menschen aufgrund ihrer Sexualität zu verurteilen, erwarte ich von einer solchen Organisation weder gesunden Menschenverstand (Wer nicht an Gott glaubt, ist kein Mensch) noch eine auf die Toleranz gegenüber Mitmenschen ausgerichtete Moral (Vertuschung von Kindesmissbrauch, anyone?)

Die Erzieherin wird ihren Job in erster Instanz erstmals behalten. Was zumindest Hoffnung gibt, dass die Trennung von Staat und Kirche, die noch nicht vollkommen abgeschlossen den Kirchen jedes Jahr die Steuermillionen – neben der Kirchensteuer – in den Rachen wirft, und die rechtliche Sonderbehandlung der Kirchen irgendwann ein definitives Ende findet.

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