Lichtnahrung – Wenn Dummheit mit dem Tode bestraft wird

Im Grunde eigentlich eine böse Überschrift.

Viele Menschen geraten in die Fänge der geldgeilen Eso-Geier, wenn sie sich in Lebensphasen befinden die, sagen wir mal, »schwierige Gewässer« darstellen.
Da wo Menschen Schwäche zeigen, wo sie zweifeln – an sich selbst oder am Leben – da schlagen die Geier zu und beginnen, ihre Opfer zu umkreisen.

Dennoch kann man aber auch nicht wegreden, dass zumindest die Menschen, die in westlichen Industrienationen mit Schulpflicht leben, prinzipiell die Möglichkeit besitzen, die Behauptungen der Eso-Goldgräber, dass man sich allein von Licht ernähren könnte, zu prüfen.

Eine einfache Frage wäre zum Beispiel:

Wie lange kann ein Mensch ohne Nahrungsaufnahme überleben?

Oder:

Kann der menschliche Körper Lichtenergie als Nahrung verwerten?

Auf beide Fragen gibt es mehr oder weniger klare Antworten.

Frage 1: Überleben kann man ohne Nahrung, wenn genug Wasser zur Verfügung steht und man gesund und gut ernährt ist, so circa 30 bis 60 Tage. Manche Quellen gehen von bis zu 200 Tagen aus, aber gesicherte Studien sprechen eher von 20 bis 40 Tagen. Man weiß z.B. von Hungerstreikenden, die nach 46 bzw. 73 Tagen gestorben sind.

Frage 2: Nein!
Der Mensch ist keine Pflanze und kann sich nicht durch Photosynthese ernähren.
Jeder, der etwas anderes behauptet, der lügt schlicht und einfach.

Wer lange Zeit hungert, der riskiert seine Gesundheit.
Was mit trockener Haut, stumpfen Haaren und Pigmentflecken beginnt, endet mit Konzentrationsschwäche, entzündeten Schleimhäuten, Muskelabbau und Herzrhythmusstörungen. Das Risiko für plötzlichen Herztod steigt an.
Am Ende steht der Verfall und somit der Tod durch Verhungern.

Insofern ist es richtig, dass Lichtnahrung von allen möglichen Leiden heilt. Denn wer tot ist, der leidet an nichts mehr.

Nun hat es wieder jemanden getroffen, der durch Verfolgung irrer Heilsversprechen und blödsinniger Behauptungen der Eso-Geier schwer geschädigt wurde.
Eine Ostschweizerin starb beim Versuch, sich von Licht zu ernähren.

Manche meiner Bekannten sagen, sie hätten mit derlei dummen Menschen kein Mitleid.
Ich bin da, ehrlich gesagt, ein wenig unentschieden. Ich habe schon erlebt, dass intelligente, denkende Menschen durch Schicksalsschläge oder große Sorgen dazu getrieben wurden, sich irgendeinem selbsternannten Guru oder »spirituellem Führer« an die Rockzipfel zu hängen. Viele haben ihren Fehler selbst bemerkt, bei manchen war es irgendwann zu spät, noch den Absprung ohne Schaden zu finden.

Ich gestehe jedem Menschen sein Recht auf Dummheit zu.
Aber mit wilden Behauptungen, Scharlatanerie und nur unzureichend verpacktem Schwachsinn die Menschen um ihr Geld betrügen, wie es die Eso-Geier nur all zu gern tun, ist und bleibt eine verachtenswerte Praxis.

Der Goldene Grabstein des Kollegen Kumi, für den Macher des deutschen Lichtnahrungsvorzeigemachwerks, ist wohlverdient.

Advertisements

6 Gedanken zu “Lichtnahrung – Wenn Dummheit mit dem Tode bestraft wird

  1. ich finde die Idee von Lichtnahrung eigentlich sehr gut auch wenn es für mich schwierig ist da ich den Geschmack an sich genieße.

    Was sagst du denn zu dem Inder der unter ärztlicher Aufsicht ohne Nahrung und Wasser gelebt hat?

    Ich bin mit der Behauptung das es Unsinn ist sehr vorsichtig ,denke halt das hinter der Idee 100% Überzeugung stehen muss .

    • Auch eine hundertprozentige Überzeugung kann sich nicht über die biologischen und physikalischen Zwänge der Natur hinwegsetzen.

      Ich kann noch so überzeugt sein und zu 100% an etwas glauben, dadurch wird es aber noch lange nicht wahr.

      Kein Mensch kann ohne die Zufuhr von Energie überleben. Das ist ein simpler, biologischer Fakt. Zu behaupten, man könne sich von diesem Zwang befreien, ist hochgefährlich und kann, wie die Realität leider zeigt, zum Tode führen.

      Weder die vielgenannte »Jasmuheen« ernährt sich von Licht – ein Versuch über eine Woche, bei der sie rund um die Uhr in einem Hotelzimmer isoliert, gefilmt wurde, musste wegen Dehydrierung abgebrochen werden – noch sonst irgendein Guru.
      Das Beispiel des indischen Yogi ist da nur eines von vielen.
      Beide Untersuchungen, sowohl 2003 als auch 2010 wurden nicht nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt, es gab Möglichkeiten zur Manipulation und skeptische Wissenschaftler durften an dem Experiment erst gar nicht teilnehmen, was immer ein Warnlicht aufleuchten lassen sollte.
      Das ist ungefähr so, als wenn Du sagen würdest »Mein Hamster kann fliegen«, ich mir das mal anschauen möchte und Du mir dann sagst: »Nee, gucken darfst Du nicht. Aber fliegen kann der wirklich«.

      Bisher konnte kein Fall von Nahrungslosigkeit nachgewiesen werden, der nicht über normale, überlebbare Fastenzeiten hinausgeht.
      Dafür sind aber mehrere Todesfälle von Leuten bekannt, die versucht haben, ohne Nahrung zu leben.

      Ich kann, wie gesagt, noch so verzweifelt an etwas glauben, aber dadurch kann ich biologische oder physikalische Gesetze nicht aufheben.
      Wer aufhört zu essen und zu trinken, der wird früher oder später sterben.
      So einfach ist das.

    • Die „ärztliche Aufsicht“ verdinete wohl kaum diesen Namen, denn die Ärzte gehören der sleben Sekte der Jains an wie auch Prahlad Jani. Diese Sekte hält vielen esoterischen Unsinn für möglich, u. a. auch die „Lichtnahrung“.

      Ein qualifiziertes Ärzteteam hätte wahrscheinlich weniger als 30 Minuten gebraucht, um Prahlad Jani als Betrüger oder Spinner zu entlarven.

      Experiment: Stoffumsatz auf dem Fahrrad-Ergometer bestimmen. Dabei untersuchen, ob er Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid ausatmet bei gleichzeitiger Gewichtskontrolle.

      Ergebnis: Wenn er Sauerstoff verbraucht und CO2 ausatmet, muss der Kohlenstoff ja irgendwo herkommen. Es wird sich dann zeigen, dass er in gleichem Maße Gewicht verliert, wie er CO2 und Wasserdampf über den Atem abgibt.

      Was zu beweisen war.

      Allein die Tatsache, dass die Ärzte solche zu eindeutigen Ergebnissen führenden Untersuchungen NICHT durchgeführt haben, sondern über fast zwei Wochen alles mögliche Gedöns durchgeführt haben, beweist doch, dass sie an einer wirklichen Aufklärung – sprich Entlarvung des Betrügers oder Spinners Jani – kein Interesse hatten.

  2. Ich habe auch den Film gesehen und ich muß sagen, daß der so gut gemacht ist, daß man wirklich glauben könnte, daß das geht. Ich wurde nach diesem Film so neugierig, daß ich mir ein Buch kaufte über Lichtnahrung. Ich wollte wissen was genau dahinter steckt. Ich wäre aber nie soweit gegangen, es selbst auszuprobieren. Ich denke schon, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht erklären können…..ob Lichtnahrung dazu gehört, weiß ich nicht…..aber alleine die Tatsache, daß ich auf all die kulinarischen Köstlichkeiten verzichten müsste, macht schon die Lichtnahrungsquelle unattraktiv 😉

    • Dass Du es nicht selbst ausprobiert hast, zeugt von einem gewissen »Grundskeptizismus«, was auf jeden Fall eine gute (und vor allem gesunde) Sache ist. 🙂

      Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde (und darüber hinaus), für die wir bisher keine Erklärung haben. Das bedeutet nicht, dass wir niemals eine haben werden.

      Für Lichtnahrung, Wünschelrutengehen, Handlesen, Kartenlegen, Pendeln, Wahrsagen oder Toten- und Engelskontakte und eine Menge mehr, haben wir allerdings bereits eine Erklärung: Betrug oder psychische Probleme.
      Und diese Erklärung bleibt bestehen, bis jemand das Gegenteil beweist.

      Ich kenne kaum einen Skeptiker, der ein Problem damit hätte, die Existenz von Geistern anzuerkennen oder irgendeines anderen Phänomens. Aber – und das ist der Unterschied in der Sichtweise – braucht der Skeptiker einen Beweis dafür.

      Bisher liefen alle wissenschaftlichen Untersuchungen solcher Phänomene entweder ins Leere, weil das Medium oder der Wünschelrutengänger plötzlich tausend Entschuldigungen hatte, warum das Experiment jetzt nicht klappte, oder sie entlarvten vorsätzlichen Betrug, in dem selbsternannte Medien oder Totenkontakter beispielsweise vorher Erkundigungen über ihre Kunden einholten oder einholen ließen.

      In jedem Zauberbuch für Mentalisten findet man die Tricks und Techniken, wie man Menschen davon überzeugt, Gedanken lesen zu können oder mit Toten zu sprechen. Da ist nun wirklich nichts weiter bei als Übung und eine gewisse Aufmerksamkeit.

      Bis sich jemand bereit erklärt, unter wissenschaftlichen Bedingungen, mit denen sowohl der Proband als auch die Tester einverstanden sein können – wie es die James Randi Educational Foundation mit ihrer Million-Dollar Challenge macht – seine Fähigkeiten zu beweisen und diese Tests auch noch besteht, bis dahin sind paranormale »Phänomene« nur als Tricks und Täuschungen zu betrachten.

    • Hallo Mascha,

      „Ich denke schon, daß es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht erklären können.“

      Es muss heißen: „NOCH nicht erklären können.“

      Allerdings geben die Anhänger Janis ja eine Erklärung: er lebt angeblich von „Lichtnahrung“.

      Diese „Erklärung“ befindet sich natürlich im Widerspruch zu unserem Wissen über die Welt und wie Carl Sagan einst sagte, bedürfen außerordentliche Behauptungen auch
      außerordentlicher Belege. Solange die nicht vorliegen, können wir solche „Erklärungen“ ungeprüft abtun.

      Außerdem bedeutet die Tatsache, dass wir etwas noch nicht erklären können nicht, dass eine x-beliebige esoterische „Erklärung“ richtig sein muss. Sie muss sich genau so der Überprüfung stellen, wie jede andere Aussage über die reale Welt. Mit spinnerten „Erklärungen“ kommen wir da nicht weiter.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.