MMS oder „Trink doch mal ein bisschen Chlorbleiche“

Krebs, Malaria, Schnupfen, Grippe – eigentlich so ziemlich jede Krankheit kann mit dem Wundermittel MMS geheilt werden.
Der einzige Schönheitsfehler ist, dass das nicht stimmt.

MMS?
MMS steht für »Miracle Mineral Supplement« (wörtl. »Wundermineral-Zusatz«), welches auch als »aktivierter Sauerstoff«, »Vitamin O2«, »MMS1« oder E926 bezeichnet wird.
Es enthält Natriumchlorit, welches unter bestimmten Bedingungen Chlordioxid freisetzt.
Chlordioxid kennen wir vom Schwimmbad, wo es, als Desinfektionsmittel eingesetzt, für den Chlorgeruch und die roten Augen sorgt, wenn ein wenig Zuviel davon ins Wasser gelangt. Zugelassen ist es unter E926 auch als Konservierungsmittel für Lebensmittel.

Der »Erfinder« von MMS, der selbsternannte Bischof seiner selbstgegründeten Kirche und Händler von Phantasietiteln, Jim Humble, hat zwar keinerlei bekannte Qualifikation auf medizinischem Gebiet, was ihn aber nicht davon abhält zu behaupten, dass Desinfektionsmittel, innerlich angewendet, Bakterien, Viren und sonstiges krankmachendes Kroppzeug töten.
Das ist zu einem gewissen Grad richtig, denn wenn man tot ist, ist man zumindest nicht mehr krank.

Das mag einigermaßen übertrieben klingen, denn, wie für alles, gilt »Die Dosis macht das Gift«, selbst für Chlorbleiche.
Man darf aber darüber nicht vergessen, dass laut der kinderheilkundlichen Fachpublikation »Pediatrics«, über einen Zeitraum von 16 Jahren die Chlorbleiche als die Hauptursache von Vergiftungen bei Kindern ermittelt wurde. Das ist an sich keine große Überraschung, denn Chlorbleiche ist nun mal ein Desinfektionsmittel und in vielen Haushaltsreinigern enthalten.

MMS – Eine Anekdote wie das Katzenfell
Es existiert keinerlei Nachweis, dass MMS irgendeine Wirkung auf den Organismus hat, außer vielleicht ab einer gewissen Dosierung Übelkeit auszulösen. Eine Nebenwirkung, die oft von MMS-Anwendern berichtet wird. Neben Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder auch Erektionsproblemen. Doppelblindstudien oder ähnliches können die Schlangenölverkäufer, die MMS anpreisen, nicht vorlegen. Sämtliche positiven Aussagen gründen sich auf reine Anekdoten.
Anekdote bedeutet in diesem Fall, jemand berichtet darüber, dass ihm Mittelchen X geholfen hat, also muss Mittelchen X wirksam sein. Das entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als logischer Fehlschluss, weil die Linderung auch auf viele andere Faktoren zurückgehen kann.

Ein Beispiel für die Hartnäckigkeit anekdotischer »Beweise« ist die Behauptung, auflegen von Katzenfell helfe bei Rheuma. Wohlgemerkt ohne Katze drin. Was der Katze ziemlich den Tag versaut.
Irgendwer hat mal behauptet, ein Katzenfell helfe. Also ging ein Rheumatiker hin, drehte einer Katze den Hals um, gerbte ihr Fell und legte es sich auf den Rücken. Siehe da, die Schmerzen wurden besser. Also muss es wohl das Katzenfell gewesen sein. Es ist schließlich unmöglich, dass Wärme der Grund für die Linderung war, bzw. dass die Wärme von Schafwolle hätte kommen können. Heute wissen wir, dass die Katzenfell-Anekdote kompletter Blödsinn ist, was aber einige findige Geschäftemacher nicht abhält, auch heute noch, im 21. Jahrhundert, Katzen zu töten und ihre Felle zu verkaufen, weil der Volksglaube vom Katzenfell nicht auszurotten ist.

Bei MMS verhält es sich genau so. Jemand nimmt es ein und es geht im tatsächlich besser, also muss MMS wirksam sein.

Grüne Gummibärchen gegen Kopfweh
Hier ein Experiment für Zuhause, falls sie abends unter Kopfschmerzen leiden:
Nehmen sie ein grünes Gummibärchen in den Mund und belassen sie es dort, bis es sich spürbar aufzulösen beginnt. Kauen sie es durch und schlucken es herunter. Danach putzen sie sich die Zähne und gehen zu Bett. Ich wette, dass eine Menge Menschen am nächsten Tag keine Kopfschmerzen mehr haben, oder diese zumindest gelindert wurden.
Würden sie daraufhin grüne Gummibärchen als Wundermittel gegen Kopfschmerzen anpreisen? Ja? Dann herzlichen Glückwunsch, sie sind offiziell bescheuert.

Müßig zu erwähnen, dass MMS nicht für den freien Verkauf als Arzneimittel zugelassen ist. In so ziemlich keinem Land.
Laut Jim Humble liegt der Grund für das Verbot seines Wundermittels darin, dass die weltberrschenden Bilderberger sich abgesprochen hätten, sein Mittel zu unterdrücken, um die Weltbevölkerung zu verkleinern.
Naja, zumindest waren es nicht die Echsenmenschen.

Warum sollte man MMS zu sich nehmen? Ganz einfach: Man sollte nicht. Auf keinen Fall und unter keinen Umständen.

Wer als erwachsener Mensch einem selbsternannten Bischof ohne medizinische Qualifikation seine Gesundheit anvertrauen möchte, in dem er des Bischofs Desinfektionsmittel trinkt, welches nachweislich keine positive Wirkung auf den Organismus hat, der möge das tun. Er fällt dabei skrupellosen Geschäftemachern zum Opfer, die sich einen Dreck um die Gesundheit ihrer Kunden scheren und auf das schnelle Geld aus sind.

Wer aber möglichst lange und gesund leben möchte, der sollte viel spazieren gehen, sich gesund ernähren und sich ab und an beim Arzt durchchecken lassen.
Wundermittel gibt es nicht – und Chlorbleiche trinken ist schon mal ganz sicher keines.


Quellen:
http://psiram.com/ge/index.php/MMS
http://www.gesundheit.ch/mms/
http://de.wikipedia.org/wiki/Chlordioxid

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