30-jähriger Mann stirbt nach Besuch beim Chiropraktiker

Jeremy Youngblood aus Oklahoma starb nach einer Behandlung an der Halswirbelsäule.
Während der Behandlung begann er stark zu schwitzen und übergab sich.

Laut Autopsiebericht starb er aufgrund eines Schlaganfalles, ausgelöst durch die Manipulation der Halswirbelsäule durch den Chiropraktiker. Gegen die chiropraktische Klinik wird ermittelt.
Das ist nicht das erste mal, dass die Manipulation der Halswirbelsäule durch Chiropraktiker zu schweren Schäden oder gar Tod führt.

  • Kristi Bedenbaugh, USA, starb 1993 im Alter von 24 Jahren an einem Schlaganfall nach chiropraktischer Behandlung der Halswirbelsäule.
  • Donna Fawcett, USA, starb 1987 im Alter von 34 Jahren nach mehrmonatigem Koma durch chiropraktische Behandlung.
  • John Hoffmann, USA, erlitt 3 Stunden nach einer chiropraktischen Behandlung der Halswirbelsäule einen Schlaganfall und starb 6 Tage später.
  • Les Limage, 67, USA ist nach chiropraktischer Behandlung der Halswirbelsäule, durch die ein Schlaganfall ausgelöst wurde, permanent gelähmt und kann nicht mehr ohne Hilfe atmen.
  • Sandra Nette, 41, Kanada erlitt 2007 nach chiropraktischer Behandlung eine Serie von Schlaganfällen. Sie bleibt ein Pflegefall.

Warum kann es nach chiropraktischen Behandlungen zu solchen Schäden kommen?

Dazu ein kleiner Abriss der Geschichte und der Grundprinzipien der Chiropraktik.

Die Behandlungsmethode wurde von Daniel David Palmer (1845 – 1913), einem medizinischen Laien, begründet. Palmer interessierte sich damals für Magnettherapie (einer lange widerlegten, unwirksamen Pseudomedizin) und übte diese wenig später aus. Palmer arbeitete auch als Imker, Schullehrer und Gemüseladenbesitzer, bevor er die Magnettherapie hauptberuflich betrieb.

Während seiner Praxistätigkeit begegnete der dem Hausmeister des Gebäudes, der unter einem schweren Hörproblem litt. Palmer entdeckte eine fühlbare Verhärtung im Rücken des Hausmeisters und vermutete, dass die Verhärtung und die Schwerhörigkeit zusammenhängen müssen. Er behandelte den Hausmeister, dessen Hörproblem sich in der Tat besserte.

Palmer theorisierte, dass es im Körper eine »angeborene Intelligenz« gebe. Diese stellte er sich als eine Art Energiefluss vor, welcher durch »Blockaden« am freien Fließen gehindert wird, wodurch sich dann allerlei Krankheiten manifestieren können. Löst man die Blockade des Energieflusses, so verschwindet die Krankheit wieder.
Diese Hypothese ist auch auf den zweiten Blick blödsinnig, da wir mittlerweile eine gute Vorstellung davon haben, wie Krankheiten entstehen. Blockaden in Energieflussbahnen gehören nicht dazu.

Palmer erarbeitete also eine Behandlungsmethode auf der Annahme, dass Energie durch die Wirbelsäule fließen muss, damit man nicht krank wird. Ist jemand krank, so liegt das an Subluxationen im Energiefluss, die man durch Einrenken beseitigt.
Wohlgemerkt: Subluxationen existieren in der Tat und bezeichnen in der Medizin ein unvollständig ausgerenktes Gelenk.
Die chiropraktische Subluxation hat aber damit nichts zu tun, sondern bezeichnet eine Verschiebung im freien Energiefluss.
Der Chiropraktiker sucht beispielsweise nach Wirbeln, die im Verhältnis zu den vor- und nachstehenden Wirbeln eine leichte Abweichung von der anatomischen Norm aufweisen und »renkt« diese wieder ein, damit die Energie fließen kann.

Heutzutage spalten sich die Chiropraktiker in zwei generelle Denkweisen oder »Schulen« auf.
Die einen, im englischen »Straights« genannt, hängen der Denkweise Palmers weiter an, obwohl diese durch medizinische Erkenntnisse widerlegt wurde. Die anderen bezeichnet man im englischen als »Mixer«. Die »Mixer« unter den Chiropraktikern zeichnen sich dadurch aus, dass sie medizinische Forschung akzeptieren und auch mit in der Physiotherapie anerkannten Methoden arbeiten. Allerdings betreiben auch die »Mixer« weiterhin das berühmte, risikoreiche Knochenknacken. Der Vorteil ist, dass ein »Mixer« eventuell vorher ein Röntgenbild in Betracht zieht und seinen Patienten in der Regel keine unhaltbaren Versprechungen macht.

In einigen Ländern versprechen Chiropraktiker die Heilung aller möglichen Krankheiten. Selbst solchen, die mit dem Bewegungsapparat nichts zu tun haben. Das ist in Deutschland glücklicherweise nicht allzu sehr verbreitet.

Obwohl es durchaus Fälle gibt, in denen das »Einrenken« von beispielsweise Wirbeln zur Lösung von Verspannungen und Linderung von Schmerzen beiträgt, so birgt die Chiropraktik ernste Gefahren. Vor allem Babys und Kleinkinder sind ernstem Risiko ausgesetzt, wenn man an ihren Gelenken manipuliert oder gar an der Halswirbelsäule.

Babys und Kleinkinder haben beim Chiropraktiker nichts zu suchen.

Manche Verfechter der Chiropraktik behaupten, Babys erführen durch die Geburt ein »Geburtstrauma« und Verletzungen oder Verrenkungen der Wirbelsäule. Obwohl es möglich ist, dass solche Verletzungen im Rahmen einer Geburt auftreten, sollten diese durch einen entsprechend geschulten Orthopäden mit bildgebenden Verfahren diagnostiziert und behandelt werden.

Der Hauptgrund für entstehenden Schaden bei der Anwendung chiropraktischer Methoden ist die Applikation von Bewegungsenergie in das beschädigte Gelenk, was vor allem im Halsbereich risikobehaftet ist. Ohne ein vorher angefertigtes Röntgenbild und genauer Kenntnis der Anatomie sollte nicht an den Knochen manipuliert werden.

Vertebralarterie

Vertebralarterie (Quelle: Wikipedia)

Durch zu schnelle oder zu starke Bewegung können die Vertebralarterien gezerrt werden, wodurch sie im Innenbereich einreißen können. Dies wiederum kann zu einer lokalen Thrombosebildung führen. Wird das Blutgerinnsel in den Blutstrom gerissen und gelangt ins Gehirn, so können dort Arterien verstopft werden. Es kommt zu einem Schlaganfall.

Diese Fälle sind in der Fachliteratur dokumentiert.

Bei Rückenschmerzen oder Schulterverspannungen lieber zum Orthopäden und anschließend zum geprüften Physiotherapeuten gehen und die dort vermittelten Bewegungsübungen regelmäßig machen. Wenn es denn schon ein Chiropraktiker sein muss, dann sollte es wenigstens ein »Mixer« sein.
Herkömmliche medizinische Behandlung ohne Wunderversprechen führt zwar nicht zur sofortigen Linderung, ist aber weitaus weniger gefährlich als das Herumrucken am Hals ohne vorherige eingehende, radiologische Prüfung der Gegebenheiten.


Quellen:
http://www.ebm-first.com
http://whatstheharm.net/chiropractic.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Chiropraktik
http://www.psiram.com/ge/index.php/Chiropraktik

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