Geier, die sich durch das Elend anderer nähren

Ist es nicht verwunderlich, dass in den Medien frei Werbung für Scharlatane betrieben werden darf?
Immer wieder bekommt man Berichte zu sehen über Geistheiler, Rückführer, Handaufleger, Medien und andere Schlangenölverkäufer.

An sich ist gegen das Berichten nichts zu sagen. Ich wundere mich nur über die manchmal offen zur Schau getragene Kritiklosigkeit.
Wenn irgendwelche Wunderheiler im Fernsehen mit ihren Erfolgen prahlen, dann würde ich mir wünschen, dass die Medien damit viel kritischer umgehen als sie es im Moment tun.

Ein Fernsehbericht war es auch, der die Großmutter eines an einem Hirntumor erkrankten Jungen auf eine auf Mallorca residierende Heilerin aufmerksam machte.
Man besuchte ein 5000 Euro teures Seminar in Deutschland, bei dem einem die Hand auf den Kopf gelegt wurde, und schoss noch mal insgesamt 15.000 Euro für Fernbehandlungen aus dem schönen Mallorca nach.

Tatsächlich ging es dem Jungen zwischendurch ein wenig besser und es wurde die von den Ärzten angeratene Chemotherapie begonnen, die den Tumor vorerst schrumpfen ließ.
In der bestrahlungsfreien Zeit ging es dem Jungen wieder schlechter und die Fernheilung wurde wieder aufgenommen.
Laut der Heilerin war eben diese Chemotherapie der Grund für die Verschlechterung des Zustandes. Sie hatte nämlich kurz vorher ein Gespräch mit Jesus und dieser stimmte ihr zu, dass die Chemotherapie keine so gute Idee war.

Sie bot an, dass der Junge wieder zu den Heilungstagen kommen könne, doch die Familie wollte lieber ihre 15.000 Euro zurück, da die Heilerin nachweislich keinen Erfolg hatte.
An eine Rückerstattung ist allerdings nicht zu denken, da die Heilerin weiter von ihrer Kraft überzeugt ist und ihrer Meinung nach die Familie des kleinen Lukas es sich leisten kann, da die Oma ein Restaurant betreibt.
Die von der Großmutter eingeschaltete Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt, da es jedem klar sein müsse, dass solche Behandlungen nicht funktionieren können.

Lukas starb im Alter von 8 Jahren im November 2010.

Ich kann verstehen, dass kranke Menschen und die Eltern kranker Kinder jede Möglichkeit nutzen, um die Krankheit zu besiegen.

Ich habe kein Verständnis für diese verabscheuungswürdigen Geier, die sich am Elend und der Hoffnung dieser Menschen bereichern und viel zu oft davon zu überzeugen versuchen, die ach so böse »Schulmedizin« nicht zu konsultieren.

Ich weiß nicht.
Wenn ich krank bin, dann möchte ich, dass mein Mediziner auf einer Schule war. Und zwar auf einer zugelassenen Universität mit staatlicher Prüfung.

Nicht auf einem Baumschmuserseminar für Reflexzonenmassage und fortgeschrittenes Katzenstreicheln.


Quellen:
http://www.ndr.de/geistheiler103.html
http://www.mallorcazeitung.es

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